Es ist Samstag, aber nicht irgend ein Samstag, es ist DER Samstag. DER Samstag, auf den ich mich schon seit zwei Jahren freue. DER Samstag über den meine bessere Hälfte schon so viel zu hören bekommen hat und den er nun zum ersten Mal selbst miterleben wird: Es ist der Samstag der Beetle Sunshinetour. Der Wecker klingelt und der erste Blick gehört heute ausnahmsweise mal nicht meinem Partner. Er geht zum Fenster hinaus in den Himmel und es bestätigen sich meine Befürchtungen… Die Sonne scheint in Strömen, alles ist nass. Nun gut, ein grimmiges Gesicht nutzt ja nichts, dann regnet es trotzdem weiter. Außerdem zaubert mir mein heutiger zweiter Blick, der sonst ja immer der Erste ist, sofort wieder ein Lächeln ins Gesicht. Und außerdem ist heute Samstag, DER Samstag. Schnell geduscht und etwas gepudert und ab zum Frühstück. Besser könnte der Tag gar nicht beginnen. Inzwischen lacht die Sonne zwischen den Wolken hervor, neben mir sitzt der wunderbarste Mensch der Welt und uns gegenüber meine langjährigste und beste Freundin mit ihrem Partner. An den Nachbartischen strahlende Gesichter weiterer lieber Beetlefreunde und dazu ein Frühstück, welches keine Wünsche offen lässt. So lässt es sich aushalten.

Um 10.00 Uhr sind wir dann endlich auf der Wiese. Smurfi wird nochmal gewienert und für die Ausfahrt zum Lübecker CSD frisch gemacht. Am Vorabend erfuhren wir, dass jeder der vier teilnehmenden Beetle einen Feuerlöscher braucht, um an der Parade des CSDs teilnehmen zu dürfen. Jetzt würde es eng werden, aber nicht unter Beetlefreunden. Eine kurze Anfrage des moderierenden Andreas in die Menge und keine fünf Minuten später waren wir mit Leihfeuerlöschern ausgestattet. Danke nochmal an unsere Helfer.

Inzwischen hatten sich auch unsere zwei Wagenengel René und Rüdiger zu uns gesellt. So wurden wir dann von Andreas verabschiedet und ab ging die Fahrt nach Lübeck. Ich hatte zum ersten Mal die Führung einer Minikolonne, was für eine Verantwortung. Tanjas rosa “Melly” folgte mir und ich musste zugeben: Multitasking beherrschen sie, die Damen. Gleichzeitig immer dran bleiben, dabei singen, tanzen und aufpassen, dass wir Patrick mit seiner “Frieda” und Einhorn-Meike mit ihrem “Paul” nicht verlieren… Respekt an die rosa Renner.

Da es auf der Autobahn einen größeren Unfall gab, mussten wir über Land nach Lübeck. Der Himmel hatte sich inzwischen wieder verdunkelt. Das Dach blieb zu und die Scheibenwischer waren schwer am arbeiten. Wir vier Jungs hatten zwar trotzdem viel Spaß im Smurfi, aber jeder von uns hatte seine Daumen fest gedrückt, dass Petrus den Lübecker CSDlern milde gestimmt sein würde.

So war es dann auch. Etwas später als gewünscht waren alle vier Beetle an der Marienkirche in Lübeck, wo wir laut Gabys Instruktionen hin sollten. Die Wolken verzogen sich, die Sonne versuchte mit aller Macht das nasse Cabriodach zu tocknen und vom CSD keine Spur. Kein Umzugswagen, keine Musik, keine Security, eben einfach nichts. Da standen wir nun, Frieda, Melly, Paul und Smurfi strahlten und glänzten, ihre Insassen guckten mich sparsam-erwartungsvoll an und ich kramte sämtliches in mir steckendes Schauspieltalent heraus, um mit Coolness meine innere Panik zu überbrücken.

“Gaby hat Marienkirche gesagt… Was, wenn es die jetzt zweimal gibt?… Dann schaffen wir es nicht mehr pünktlich und ich bin es schuld… Welch peinliche Blamage… Es hat sich jeder so viel Mühe gemacht… Alle freuen sich seit Tagen drauf… Und ich Hirsch führe sie zur falschen Kirche… Ich rufe Gaby an, die muss das jetzt klären, irgendwie…”. Gedacht – getan… Jetzt zeigte sich, wer hier wirklich cool war, es war Gaby, nicht ich: “Thomas, ganz ruhig. Wo steht ihr? Habt ihr schon mal auf der anderen Seite der Kirche nachgesehen?” Äh, nein, wir waren nur ankommen und sofort mit Panik kriegen beschäftig, also zumindest ich. Also Beetle gestartet, gedreht und einmal um die Kirche herum und siehe da: Hier war buntes Treiben und die Security empfing uns mit den Worten “Na endlich, da sind ja meine Beetle, wir warten schon auf Euch”.

Nachdem ich nun viermal erleichtert tief durchgeatmet hatte, wir fünfmal umgestellt wurden und sechs Verantwortliche sieben verschiedene Anweisungen gaben, waren inzwischen die Dächer getrocknet und wir konnten unsere Beetle mit Regenbogenfarbenen Wimpeln, Fahnen, Federboas und allem möglichen bunten Dekokram schmücken.

Viel Zeit war nicht mehr, bis es losging. Aber wir waren ja vorbereitet und hatten zu Hause schon mal Probegeschmückt. Patrick-Frieda und Meike-Paul standen zwei Umzugswagen von uns entfernt und schauten zu, wir Tanja und Andrea an ihrer Melly genauso am Schwitzen waren, wie Thomas und ich an unserem Smurfi. Irgendwie passte das alles nicht mehr. Die Fahne war plötzlich zu groß für die Motorhaube, die Wimpelkette zu kurz für das Auto, die Zeit lief uns davon und wir grinsten trotzdem um die Wette. “Wow, ein rosa Beetle” ertönte es von der einen Seite “Guck mal die Schlümpfe” auf der anderen Seite. “Dürfen wir ein Foto mit Euch machen?” Na klar, ist ja nicht so, als hätten wir hier nichts im Griff, oder etwa keine Zeit… Also grinsen, Foto, weitergrinsen und innerlich fluchen, dass nichts so passt wie zu Hause geprobt.

Irgendwie bekamen wir aber doch alles geregelt und waren rechtzeitig fertig. Jetzt nur noch zwei unter der Kofferraumklappe eingeklemmte Wimpel heraus holen. Klappte auch prima, nur leider schlug der Deckel zu und die Finger waren noch drin. Plötzlich sah ich Sterne am helllichten Tag und nur noch benommen nahm ich den nächsten Ruf nach einem Foto mit dem Schlumpfkäfer wahr. Also weiter Lächeln, auch mit Tränen in den Augen. Zum Glück blieb keine Zeit zum Jammern, denn der CSD-Zug setzte sich in Bewegung.

Sofort nachdem wir an der Kirche auf die Straße abbogen waren, war es da, dieses unglaubliche CSD-Gefühl. Alle waren am feiern. Groß mit Klein, Frau mit Mann, Dick mit Dünn, Mann mit Frau, Alt mit Jung, Frau mit Frau, Dunkel mit Hell, Mann mit Mann…. Plötzlich war alles so selbstverständlich, so gut gelaunt, so stimmungsvoll. Wenn wir Menschen von dieser Stimmung doch nur einen kleinen Teil mit in unseren Alltag nehmen würden, wäre die Welt um eines besser dran.

Dann tauche auch schon das Holstentor vor uns auf. Was für ein Anblick. Über dem Tor blauer Himmel mit ein paar friedlichen weißen Wölkchen und drum herum eine singende und tanzende bunte Menschenmenge. Und immer wieder erstaunte und gut gelaunte Rufe “Guck mal, die Beelte”, “Da fährt ein Schlumpfauto”, “Cool, ein rosa Käfer”… Wir erregten tatsächlich Aufsehen. Vielleicht, weil das neu war beim CSD, vielleicht aber auch, weil die Menschen am Straßenrand sahen, dass wir in unseren Beetlen genauso viel Spaß hatten, wie sie.
Nach einer knappen Stunde war das Erlebnis dann leider auch schon wieder vorbei. An einer zuvor abgesprochenen Kurve, in der der Zug nach links abbog, winkte uns ein Security heraus. Wir sollten ja nur einen Teil des Umzuges mitfahren, sonst hätten wir ja kaum noch etwas vom Wiesenprogramm in Travemünde gehabt. Diesmal klappt alles super. Alle vier Beetle waren wieder vereint, ein kurzer Halt zum “Abschminken” an einer Bushaltestelle und zurück im Korsöchen nach Travemünde, wo wir schon mit viel Gewinke auf der Wiese empfangen wurden.
Für Melly, Frieda, Paul, Smurfi, seine “Insassen” und Wagenengel war es ein aufregendes und wunderbares Erlebnis, einmal Teil eines solchen Umzuges sein zu dürfen. Die Stimmung war großartig und das Wetter perfekt. Liebe Gaby, was Du uns damit ermöglicht hast, werden wir so schnell nicht vergessen.

Wir alle, die das große Glück hatten, bei der “Ausfahrt Schrill und bunt” dabei sein zu dürfen, egal ob als Fahrer, Beifahrer oder als Wagenengel, möchten diesen kleinen Bericht noch mal nutzen, um Dir Danke zu sagen. Danke, dass Du diese Idee hattest und sie umgesetzt hast. Danke aber auch allen anderen Organisationen und allen unseren Beetlefreunden, die sich ausnahmslos für und mit uns gefreut haben.

Text: Thomas
Fotos: Rüdiger, Tanja, Maike, Sandra
 

Diese Ausfahrt hat mir so am Herzen gelegen, sie steht für Toleranz, Respekt und Miteinander. Ich habe mich unglaublich gefreut, dass IHR … Maike, Patrick, Tanja und Thomas mit so viel Spaß und Herz dabei ward. Ich danke EUCH und den Begleit-Engeln.
GABY ❤️

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